Am 19.05.09 ging es im evangelischen Gemeindehaus im Bindeweg in Homberg um das Konzept „Mitgliederladen auf dem Marktplatz“ des Biobauern aus Mühlhausen. Zum zweiten Mal traf man sich um das Konzept zu beraten und nach vorne zu bringen.
Ich finde, die Veranstaltung war eher von Konzeptionslosigkeit geprägt. Ein tragfähiges Modell war aktuell nicht zu erkennen.
Stand der Dinge ist, dass man im Grunde noch kein Konzept hat, wie man mit dem Mitgliederladen auf dem Marktplatz überhaupt starten will. Auch der Starttermin steht noch in den Sternen. So kam das jedenfalls bei dem äusserst zähflüssigen und konzeptionslosen Vortrag des Biobauern und seiner Assistentin für mich rüber.
Es dringt immer mehr durch, dass man gerne auch den Hofladen des Biobauern in Mühlhausen in das Konzept Mitgliederladen einbinden will. Das würde allerdings bedeuten, dass man dann nicht 200 Mitglieder braucht um das Konzept Mitgliederladen zu betreiben, sondern 320. Bei der Versammlung wurde nämlich laut, dass sehr viele Interessenten des Konzepts nur einen Mitgliederladen auf dem Marktplatz präferieren und auch nur dann Mitglied werden wollen, wenn der Mitgliederladen auf dem Marktplatz in Homberg realisiert wird.
Andere Kunden des Biobauern fahren lieber nach Mühlhausen, weil sie dort fast bis in den Hofladen fahren können und meinen, in Homberg keinen Parkplatz finden zu können.
Ich denke mal, dahinter steckt Kalkül, finanzielles Kalkül. In der Vergangenheit hat es der Biobauer nicht geschafft, mit seinen Erzeugnissen auf dem Homberger Marktplatz Akzeptanz bei den Verbrauchern zu erreichen, das soll nun durch das Konzept Mitgliederladen erreicht werden – Zwangskundenbindung durch Mitgliedschaft – wobei die Mitglieder einen Teil ihrer freien Kaufentscheidung abgeben und der Biobauer als Betreiber das geschäftliche und finanzielle Risiko auf die Mitglieder überträgt. Da reizt es natürlich, dieses Modell auch auf den zur Zeit auf eigenes Risiko betriebenen Hofladen zu übertragen. Hoffentlich sind die Homberger nicht so dumm und durchschauen diese Geschäftspraktik des Biobauern, erstmal Geld mitbringen zu lassen um einkaufen zu können. Ich denke mal, dem Biobauern geht es in erster Linie um den eigenen Profit und nicht darum den Homberger Marktplatz aufzuwerten. Profit ohne Risiko. Fragen aus dem Publikum, warum man nicht eine Einkaufsgenossenschaft gründet, wurden unbefriedigend beantwortet. Die Anregung, einen Bringdienst einzurichten, wurde schon mal gleich abgewürgt – viel zu teuer. Wie andere das nur machen, wie z.B. der Grüne Bote in Witzenhausen und „bringmirbio“, die bundesweit versenden?
Die Links sind auch ganz gut geeignet, mal die Preise vom Biobauern in Mühlhausen mit den Shopanbietern zu vergleichen.
Wie in der Versammlung zum Ausdruck kam, will man zur Realisierung des Vorhabens weitere Finanzierungsquellen erschliessen. Auch der Bürgermeister soll Unterstützung zugesagt haben. Da sollten sich andere Geschäftsinhaber mal beim Bürgermeister melden um sich unterstützen zu lassen. Gleiches Recht für alle!






Zur Erinnerung :
Unser Vorschlag: Ein Mitgliederladen auf dem Marktplatz ! steht über allem was bisher von beiden zu hören war. Dies und nichts anderes war angesagt.
Zum Verlauf wie ich ihn erlebte:
Pünktlicher Beginn, ca 100 Anwesende, überwiegend gutsituierte und oberhalb der 50 er Grenze
Herr Groß trägt die bereits bekannten Fakten erneut vor. Fragen soll man zurückstellen Sie werden nicht dokumentiert
Nach etlichen Folien z. B. von 2003 aus Bayern ( wurde als allgemein gültig erklärt) durchschnittlich 14 % aller Ausgaben für Lebensmittel !
Anmerkung :
Wendet man den Hartz IV Satz als Untergrenze an, dann heißt das, ab einem Netto von 930 € trifft dies zu.
Nur ob man für 130 € im Monat nur aus BioLebensmittel leben kann ?
Vorschlag dazu von Herrn Groß : man könnte ja innerhalb des Ausgabeverhaltens umschichten !
Dieser Vorschlag trifft nur auf die zu, die über ausreichend Mittel zum “umschichten” innerhalb des Gesamtpostens oder der Ausgaben für Lebensmittel verfügen.
Es wurde festgestellt: Der BioMarkt wächst. Zwar wurde erwähnt, dass dies überwiegend auf Discounter zuträfe und der originäre Biohandel darunter leide. Hier wurde wieder vom Lebensmitteleinzelhandel gesprochen. Bis heute ist mir unklar, was Herr Groß damit meint.
Auf einer der nächsten Folien sah man folgendes Bild:
Aldi EK + 15 % gleich Verbraucherpreis
Biohandel EK + 30 % Großhandel + 40 % Laden = Verbraucherpreis Und: Schafft 100 000 Arbeitsplätze
Anmerkung
Warum nur der Biohandel Arbeitsplätze schafft, regionale Anbieter stärkt oder warum solche Aufschläge existieren wurde ebenso nicht dargelegt wie der EK ! Eine wie ich finde absolut zu simple Darstellung und Vereinfachung.
Danach war Fragerunde angesagt. Es wurden jedoch keine konkreten Aussagen gemacht oder man wurde abgewürgt.
Hier tauchte das erste Mal der Begriff auf, man könne den Eindruck eines “Geschmäckles” fälschlicherweise annehmen.
Ausserdem habe man von BM die Zusage einer finanziellen Hilfe, Keine weiteren Angaben dazu.
Und man suche weitere Finanzierungshilfen wie sie derzeit u.a. Nordhessen bis 30 000 € anbietet. Ein Bericht dazu in der HNA.
Für Mitglieder Mitsprache nur beim Sortiment ( was sofort lautstark beanstandet wurde )
Mitgliedschaft :Kündigungsfrist 3 Monate
Die Erzeugnisse sollten nur bei denen bezogen werden über die auch der Hofladen einkaufe
Dann kam Frau Berg – Busch.
Sie sprach davon das als Konsequenz aus dem Mitgliederladen die Zahl der Kunden in Mühlhausen um 75 zurückgehen würde ( ohne zu nennen wie viel % das sind ) und das einzelne Kunden sagten, sie würden nicht nach Homberg fahren weil man dort keine Parkplätze!!! habe.
Dann sprach sie davon, dass man zwar den Laden in Homberg anstrebe , aber den Laden in Mühlhausen erhalten wolle und zeigte dann erstmal neue Ideen auf :
Beide Läden werden weiter betrieben – Mindestens 320 Mitglieder Kosten min. 6300 € davon Mühlhausen 1800
Man starte erst mal das Modell in Mühlhausen, gewinne Zeit um sich nach Homberg zu orientieren
Eine genaue und differenzierte Kostendarstellung erfolgte nicht.
ca 4500 Homberg, davon 1000 für den Laden incl aller Betriebskosten, 3500 Personalkosten, min netto 7 € Lohn,
Er sprach auch davon möglicherweise einen Imbiss mit einzuplanen und dort solle auch ein Treff für Gleichgesinnte und Interessierte sein ( Wieso eigentlich selektierter Zugang ?)
Jetzt setzte eine etwas rege Diskussion ein, konkrete Antworten gab es jedoch meist nicht. Es war alles ein wenig “schwammig”.
Dabei kam es zu Aussagen wie : in Homberg Umgebung Marktplatz gäbe es “irrsinnig” viel Parkplätze, am Markt könne man Butter und Eier nicht kaufen.
Oder : Bei der Solidarität untereinander gäbe es kein Problem mal einen Sack Kartoffeln auf den Arm zu nehmen und ihn zum Auto zu tragen!
Dann wurden Fragen teilweise abgewürgt, zustimmende jedoch bevorzugt hervorgehoben.
Nach etwa 1 1/4 Stunden meinte dann einer, es reiche nun und er stelle jetzt konkrete Fragen:
1. Mitgliederladen in Homberg
2. Start in Mühlhausen
3. Beide Läden
Herr Groß wollte dann umformulieren, dies ließ der Fragesteller jedoch nicht zu.
Ergebnis nach einigen Wortmeldungen die klar das gleiche Bild zeigten: Man wolle einen Laden zur Stärkung des Marktplatzes und sei dafür auch bereit, mehr wie 30 oder 40 € als Beitrag zu zahlen, wurde abgestimmt.
Ergebnis zu 2. und 3. einige wenige ; zu 1. alle
Dies Ergebnis passte den beiden Vortragenden deutlich erkennbar nicht.
Auch wurde klar erkennbar, dass man nur in den Mitgliederladen komme , wenn dort ein mehr oder weniger komplettes Vollsortiment vorhanden sei. Man wolle nicht durch die Gegend fahren.
Fazit :
1. Eine irgendwie geartete und vorbereitete Satzung gab es nicht
2. Eine Möglichkeit Mitglied zu werden gab es nicht.
3. Ein städtischer Vertreter war nicht anwesend
4. Angaben zu den Verhandlungen, Ladengrößen und Mieten gab es nicht
5. Konkrete Darstellung wer Personal sein könne, wie die Kostenkalkulation aussehe gab es nicht
6. Angaben welche Finanzierungshilfen man suche gab es nicht
7. z. B. BA Arbeitslose, ALG II Empfänger, über 50 jährige, Regionalförderung usw
8. Gestaltung des Ladens ( Mobiliar, Computer, Toiletten usw ) Fehlanzeige
9. Ob Mitglieder evtl bei Fehlkalkulation zahlen müssten, keine Angaben
10. Welches Modell der Mitgliederladen ( Verein , Genossenschaft ) haben würde blieb offen
11. was ein geringfügiger Preisaufschlag sei keine Angaben
12. keine Antworten auf Servicefragen während der Veranstaltung
13. Auf das Modell “Grüne Kiste” als Teil des Mitgliederladens wurde nicht eingegangen (siehe Post#4 )
14. die Rolle, die Herr Groß und Frau Busch dann spielen würden, blieb im Dunkeln
15. Konkrete Angaben zu Mitsprachen bei Einkaufsquellen, Personal usw gab es nicht
Das Ganze sah mehr wie eine Werbeveranstaltung für das Modell : im Hofladen starten und dann ggf vielleicht ( der Mensch ist ein Gewohnheitstier ) nach Homberg erweitern / komplett zu gehen.
Und im Vorraum gab es Getränke aus dem Biobereich.
Lobend erwähnt wurde die kostenfreie Überlassung des Gemeinderaumes. Die Stadthalle würde kosten.
Warum die Stadthalle nicht kostenfrei zur Verfügung stand, wurde nicht erläutert.
Sollte ich etwas falsch dargestellt haben, bitte ich um Wortmeldung.
Bei der Versammlung im Bindeweg hieß es vorher eindeutig: Basierend auf den Informationen im Vorfeld, Gründung des Mitgliederladens in Homberg am Marktplatz.
Dieses vorgegebene Ziel wurde von Beginn an nie konsequent angedacht und mit eindeutigen Fakten untermauert.
Zu Beginn der Veranstaltung wurde ca 20 Minuten wiedergekaut was jeder wusste. Dann sollten Fragen gestellt werden. Diese wurden teilweise abgewürgt, ausweichend beantwortet. Danach ließ man die Katze aus dem Sack und bot plötzlich diverse Modelle an.
Nach ca 75 min. platzte wohl einem Anwesenden der Kragen und er bat um Abstimmung über die diversen Modelle.
Diese Abstimmung zeigte, dass bis auf wenige Ausnahmen das Modell sofortige Gründung und nur am Marktplatz gewünscht wurde. Die meisten Anwesenden waren sogar bereit dafür mehr zu zahlen.
Das Abstimmungsergebnis führte nun aber nicht zu einem eindeutigen weiterverfolgen dieses Weges , nein, es wurde weiter diskutiert.
Irgendwelche klaren Fakten waren nie erkennbar.
„Produkte vom Bauernhof bald im Homberger Lebensmittelmarkt“
unter dieser Überschrift berichtet HNA-online heute über den geplanten „Landmarkt“, der es Landwirten ermöglicht, ihre traditionellen Erzeugnisse in Rewe-Märkten anzubieten.
http://tinyurl.com/mlmjj5 (zu HNA-online)
„Diese Vereinigung habe bereits in 50 Filialen des Lebensmittelhändlers Rewe einen festen Platz erobert, wo sie -zumindest in Südhessen- für 3,5 Mio Euro Umsatz sorgten.“
Zukünftig wird man dieses zusätzliche Angebot auch im Homberger Rewe Markt vorfinden, in dem man schon seit langem täglich von 7 bis 22 Uhr die BIO-Eigenmarke kaufen kann.
Ob das dem Biobauer schmeckt? Für den Mitgliederladen, der noch immer um Mitglieder ringt, könnte es jedenfalls schon jetzt der „Todesstoß“ sein…